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St. Benno trauert: Der in der Pfarrei lebende Künstler Fritz Baumgartner verstarb.

Ehrung des Künstlers Fritz Baumgartner am 25.04.04 in Bennopolis
anläßlich seines 75 Geburtstages (14.04.04).


Liebe Bennonerinnen, liebe Bennoner,
liebe Freunde und Gäste des Jubilars,
lieber Jubilar Fritz Baumgartner,

es ist mir die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, Sie alle, die Sie sich heute zu Ehren unseres Jubilars hier in Bennopolis eingefunden haben, auf das herzlichste zu begrüßen.
Namentlich darf ich begrüßen unseren Pfarrer, Herrn Ludwig Sperrer und seinen langjährigen Vorgänger, unseren Franz Xaver Eder,
ganz besonders aber Sie, lieber Herr Fritz Baumgartner.

Vor wenigen Tagen, am 14. dieses Monats, haben Sie Ihren 75. Geburtstag gefeiert.
Zu diesem besonderen Ehrentag darf ich Ihnen nachträglich im Namen der Pfarrangehörigen von St. Benno herzlich gratulieren, für Ihre vielfältigen Werke und Exponate, die Sie für Benno geschaffen haben, aufrichtig danken, für die Zukunft eine gute Gesundheit, nie nachlassende Neugierde, Schaffensfreude und vor allem die Umsetzung Ihrer Gedanken/Ideen in möglichst viele Bilder, Zeichnungen, Grafiken, Mosaiken, Linolschnitten, Farbfenster usw. wünschen.
Unser Pfarrer, Ludwig Sperrer, hat Sie in unserem neuesten Pfarrbrief bereits gewürdigt, so
dass ich nur wenige Anmerkungen anfügen möchte.

Ich will mich ein wenig mit der Frage der 'Kunst und Religion, Kunst und Kirche 'befassen.
Für Sie, Herr Baumgartner, ist dies kein Gegensatz, wenn gleich religiöse Kunstwerke bzw.
Sprache und Bilder im Raum des Religiösen oft zweischneidig, z. T. ambivalent sind.
Als Sie einmal gefragt wurden, was Ihre ständigen Begleiter sind, haben Sie spontan gesagt: 'Die Bibel'. So haben Sie viele Werke mit christlicher Aussage in Bildern, Reliefs, Kirchenfenstern, Zeichnungen wie etwa Bilder zur Passion, geschundene Menschen, die Finsternis, aber auch Bilder der Zuversicht, das himmlische Jerusalem, gleichsam Bilder als Brücke geschaffen. In unserem Benno-Saal ist der vierzehnteilige Tafelbilderzyklus 'Das Paradies und die Neuschöpfung' zu bestaunen, den unser früherer Pfarrer in Auftrag gegeben hat; eine Pinselzeichnung aus stumpf-grünen dichten und beweglichen Linienzügen auf gelblich weißer Untermalung, dabei Form und Farbe in den vorgegebenen Raum gleichsam hinein gelegt.

Ein großer Kunst-Kenner, Heinrich Geissler, der frühere Direktor der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart schrieb 1987 über Sie: 'Baumgartner gehört zu den nicht allzu vielen unseres Landes, die die überkommenen christlichen Themen und Motive heute noch bildnerisch überzeugend, dabei stilistisch eigenwillig zu fassen vermögen und zu kirchlichen Monumentalaufgaben befähigt sind.

Seine Bildwelt ist allerdings nicht leicht 'konsumierbar'. Sie setzt ruhiges, einfühlsames Be-
trachten voraus, eine Bereitschaft, sich auf die immerwährende Formwandlung und
Formerweiterung einzulassen.'

Dabei ist das Sakrale bei Ihnen nicht ausschließlich auf das Christliche beschränkt.
Die antike Mythologie hat für Sie die gleiche Anziehungskraft. Besonders die 'Äneis' des Vergil, der als Vater des Abendlandes bezeichnet wird, hat Sie schon in ihrer Schulzeit fasziniert und nicht mehr losgelassen. Denn auch dort gibt es persönlich aufgebürdetes Leiden, göttliche Strafe, Flucht, Hoffen und Scheitern, Abstieg in die eigene Nacht, Ängste, Schrecken, Licht, Dunkel, aber auch Erlösung und Befreiung.

Dieses Mysterienspiel zeigt sich besonders im Evangeliar, wo die biblischen Gestalten im Einklang mit dem Sinngehalt des Textes stehen, gleichsam ein Ineinanderfließen von Text und Bild. Mitunter werden sogar Anspielungen auf die Neuzeit gemacht, wie etwa der mordende Soldat im Tarnanzug am Fest der Unschuldigen Kinder. Sicherlich sind hier bittere Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre Pate gestanden. Die Luftangriffe auf München haben Sie erlebt; u. a. auch das Brennen der Propyläen. Dabei hat die Handschrift die gleiche Kraft wie die Bilder und ist zugleich von beeindruckender Lesbarkeit, nämlich die Kalligraphie als Kunst des schönen Schreibens.

Über dieses Evangeliar hat ein kundiger Kenner geschrieben: 'Über den anspruchsvollen Inhalt hinaus liegt eine meisterliche Botschaft dessen vor, was Können, Wollen und Ausdauer hervorzubringen dann in der Lage sind, wenn über dieser Trias ein guter Geist in Demut steht.'

Den Menschen in seinen facettenreichen Varianten hat Sie in der ganzen Zeit Ihres künstlerischen Schaffens beschäftigt. Ihr Zeitstil als Einzelgänger, keiner Malerschule zuzuordnen, war zunächst noch stark gegenständlich, figurativ, später mehr annonym, abstrakt, schablonenhaft.
Vielfach haben Sie die christliche Thematik aufgegriffen, z. B. 'Maria und ihr Sohn', 'Christus als geschundener Leichnam' oder der 'Gottmensch stirbt seinen schmerzlichen Opfertod am Kreuz, in sich gekrümmt, inmitten der Schächer, von der Lanze des Soldaten durchstochen' oder der 'Jünger umfängt die Mutter, die im Entsetzen hinsinkt'. Besonders hervorstechend sind ihre Kopfdarstellungen, stets mit strenger Profilierung. Es darf an das 'Selbstbildnis' des Künstlers mit seinen markanten Augenöffnungen, den Betrachter fest im Griff erinnert werden.
Die Gestalten Baumgartners besitzen eine 'eigene Anatomie', die Körper sind 'eigenartig' zerissen, in Auflösung begriffen, aber bei aller Abstraktion wird ihre figürliche Identität nicht aufgegeben, so wie der Inhalt eines Buches verborgen bleibt, solange es nicht aufgeschlagen ist; erst danach lüftet sich der Schleier und der Inhalt wird erfasst.

Aber immer gilt: man braucht die Sensibilität, um die Bilder lesen zu können, um zu erahnen, was den Künstler bewegt, ja zu tiefst beunruhigt und zu visionären Gesichtern beflügelt hat. Eng verwandt sind hier 'Katastrophenbilder', die Leitmotiv vieler Künstler des 20. Jahrhunderts waren.

Aus all diesen Bemerkungen lässt sich herauslesen, dass sich unser Jubilar zeitlebens mit der Gottesfrage als Schicksalsfrage auseinandergesetzt hat, mit der Würde des Menschen, seinen Absurditäten, mit seiner Sehnsucht nach Frieden, den verschiedenartigen Gefährdungen, denen der Mensch ausgesetzt ist. Mitunter sind seine Bildkompositionen apokalyptischen Inhalts, vielleicht als Ahnung kommender Katastrophen? Hat er dabei die Weissagung vom Ende der Welt im Blickfeld (siehe Mk.13,1; Lk 21,24; Mt 24,11) ?

Ihre Werke sind Wegweiser in eine andere Dimension, Ringen um die Wahrheit, Suchen nach einem neuen Ordnungsgefüge, sie weisen auf die Tiefe jener Wirklichkeit hin, die hinter oder auf allen Bildern liegt, nämlich auf Gott; spirituell ausgedrückt: Gott suchen in allen Dingen, ihn aber im Letzten nie greifen, festhalten können, um seine Unverfügbarkeit wissen; oder anders ausgedrückt: erkennen, dass die Welt eine Nummer zu klein geraten ist, um die Fragen unseres Menschseins beantworten und unsere Sehnsucht nach Leben und Glück stillen zu können.
So sind Sie mit Ihren Bildern Botschafter des Christlichen in der Welt, gerade für die Menschen, die das Religiöse bejahen, aber der Amtskirche ferne stehen. Damit füllen Sie eine Lücke aus, sind gleichsam Mittler für die Suchenden, die um die Endlichkeit wissen.
Ihre Werke sind daher ein kaum zu überschätzender Anknüpfungspunkt, um mit Menschen, die sich für Religion interessieren, ins Gespräch zu kommen.

So empfinden wir tiefe Dankbarkeit, dass wir Sie in unserer Pfarrei, in unserer Mitte haben.
Wir hoffen, dass Sie uns immer wieder durch neue Werke bereichern oder in Ausstellungen Ihr inneres Auge uns offenbaren.

Nochmals herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Geburtstag und Dank für Ihr künstlerisches Schaffen!

Dr. Feger