St. Benno trauert: Der in der Pfarrei lebende Künstler Fritz Baumgartner verstarb. | ||
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Ehrung
des Künstlers Fritz Baumgartner am 25.04.04 in Bennopolis
es
ist mir die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, Sie alle, die Sie sich
heute zu Ehren unseres Jubilars hier in Bennopolis eingefunden haben,
auf das herzlichste zu begrüßen. Vor
wenigen Tagen, am 14. dieses Monats, haben Sie Ihren 75. Geburtstag
gefeiert. Ich
will mich ein wenig mit der Frage der 'Kunst und Religion, Kunst
und Kirche 'befassen. Ein großer Kunst-Kenner, Heinrich Geissler, der frühere Direktor der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart schrieb 1987 über Sie: 'Baumgartner gehört zu den nicht allzu vielen unseres Landes, die die überkommenen christlichen Themen und Motive heute noch bildnerisch überzeugend, dabei stilistisch eigenwillig zu fassen vermögen und zu kirchlichen Monumentalaufgaben befähigt sind. Seine
Bildwelt ist allerdings nicht leicht 'konsumierbar'. Sie setzt ruhiges,
einfühlsames Be- Dabei
ist das Sakrale bei Ihnen nicht ausschließlich auf das Christliche
beschränkt. Dieses Mysterienspiel zeigt sich besonders im Evangeliar, wo die biblischen Gestalten im Einklang mit dem Sinngehalt des Textes stehen, gleichsam ein Ineinanderfließen von Text und Bild. Mitunter werden sogar Anspielungen auf die Neuzeit gemacht, wie etwa der mordende Soldat im Tarnanzug am Fest der Unschuldigen Kinder. Sicherlich sind hier bittere Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre Pate gestanden. Die Luftangriffe auf München haben Sie erlebt; u. a. auch das Brennen der Propyläen. Dabei hat die Handschrift die gleiche Kraft wie die Bilder und ist zugleich von beeindruckender Lesbarkeit, nämlich die Kalligraphie als Kunst des schönen Schreibens. Über dieses Evangeliar hat ein kundiger Kenner geschrieben: 'Über den anspruchsvollen Inhalt hinaus liegt eine meisterliche Botschaft dessen vor, was Können, Wollen und Ausdauer hervorzubringen dann in der Lage sind, wenn über dieser Trias ein guter Geist in Demut steht.' Den
Menschen in seinen facettenreichen Varianten hat Sie in der ganzen
Zeit Ihres künstlerischen Schaffens beschäftigt. Ihr Zeitstil
als Einzelgänger, keiner Malerschule zuzuordnen, war zunächst
noch stark gegenständlich, figurativ, später mehr annonym,
abstrakt, schablonenhaft. Aber immer gilt: man braucht die Sensibilität, um die Bilder lesen zu können, um zu erahnen, was den Künstler bewegt, ja zu tiefst beunruhigt und zu visionären Gesichtern beflügelt hat. Eng verwandt sind hier 'Katastrophenbilder', die Leitmotiv vieler Künstler des 20. Jahrhunderts waren. Aus all diesen Bemerkungen lässt sich herauslesen, dass sich unser Jubilar zeitlebens mit der Gottesfrage als Schicksalsfrage auseinandergesetzt hat, mit der Würde des Menschen, seinen Absurditäten, mit seiner Sehnsucht nach Frieden, den verschiedenartigen Gefährdungen, denen der Mensch ausgesetzt ist. Mitunter sind seine Bildkompositionen apokalyptischen Inhalts, vielleicht als Ahnung kommender Katastrophen? Hat er dabei die Weissagung vom Ende der Welt im Blickfeld (siehe Mk.13,1; Lk 21,24; Mt 24,11) ? Ihre
Werke sind Wegweiser in eine andere Dimension, Ringen um die Wahrheit,
Suchen nach einem neuen Ordnungsgefüge, sie weisen auf die
Tiefe jener Wirklichkeit hin, die hinter oder auf allen Bildern
liegt, nämlich auf Gott; spirituell ausgedrückt: Gott
suchen in allen Dingen, ihn aber im Letzten nie greifen, festhalten
können, um seine Unverfügbarkeit wissen; oder anders ausgedrückt:
erkennen, dass die Welt eine Nummer zu klein geraten ist, um die
Fragen unseres Menschseins beantworten und unsere Sehnsucht nach
Leben und Glück stillen zu können. So
empfinden wir tiefe Dankbarkeit, dass wir Sie in unserer Pfarrei,
in unserer Mitte haben. Nochmals herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Geburtstag und Dank für Ihr künstlerisches Schaffen! Dr.
Feger
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