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St. Benno trauert: Der in der Pfarrei lebende Künstler Fritz Baumgartner verstarb.

"Ansprache v. Pfr. Ludwig Sperrer beim Requiem für Fritz Baumgartner am 19.10.06 in der Krypta St. Benno:

In christlicher Trauer versammelte Schwestern und Brüder,
sehr geehrte Angehörige von Fritz Baumgartner,

"Paradies und Neuschöpfung", so ist das großflächige Gemälde überschrieben, welches Fritz Baumgartner 1984-85 für unseren Pfarrsaal schuf.
Wir haben in der Lesung aus dem Buch Genesis die letzten Verse der Erschaffung allen Lebens gehört: Gott vollendet die Schöpfung und ordnet alles in ein sinnvolles Gefüge und Zueinander.
Doch auch der Mensch gehört in diese Schöpfung, ist selbst Geschöpf und deshalb nicht Gott; er ist nicht vollkommen und macht Fehler, wirbelt vieles Durcheinander, was Gott eigentlich als gut ansah.
Gerade diese Ambivalenz ist es, die für mich aus vielen Werken Fritz Baumgartners zu mir spricht.
Auf unserem Gemälde im Pfarrsaal stehen alle scheinbar zufällig, doch friedlich zusammen: die Menschen, die Bäume, der Walfisch im Meer und die Gestirne.
Dieser Schöpfung hat Gott ihren Ursprung verliehen, mit einem Auftrag an den Menschen, sie verantwortlich zu gestalten.


Fritz Baumgartner in seinem Ateilier
 
 
 
 
Doch ins Zentrum aller dort dargestellten Geschichte hat Fritz Baumgartner das Kreuz Jesu Christi gesetzt. Er breitet die Hände als Erlöser aus, wie auch hier an unserem Altarbild hier in der Krypta. Gelingen und Misslingen des Menschen ist aufgehoben und vollendet in Jesus Christus.
Dass Gottes Schöpfung eben nicht Paradies ist, wissen wir zur Genüge. Dass uns Gott aber trotzdem liebt, hat er uns dadurch gezeigt, dass er sich selbst uns in Christus offenbarte, seine Liebe und Nähe uns zeigte; wir sprechen von der Neuschöpfung des Menschen, seit Jesus Christus uns eben diese ewige Liebe am Kreuz zeigte und auch uns zur Auferstehung ruft.
Fritz Baumgartner hätte uns kein größeres Glaubensbekenntnis seines eigenen Glaubens schenken können, wie er es in seiner ganz besonderen künstlerischen Art vermochte.
Geboren wurde er am 14. April 1929 im österreichischen Aurolzmünster und wuchs dort in einfachen Verhältnissen mit 2 Schwestern und einem Bruder auf. Der Vater war Schlossermeister und neben dem künstlerischen Geschick zeigte sich Fritz Baumgartner immer auch dankbar dafür, dass die Eltern seinen Weg hin zur Kunst unterstützt haben, was sicher nicht selbstverständlich war. So konnte er von 1949 - 1955 an der Kunstakademie in München studieren und lebte nach weiteren Studienjahren in Paris ab 1958 mit seiner Frau Regina hier in unserer Pfarrgemeinde St. Benno.
Aus seinem gesamten Kunstschaffen wird ersichtlich, wie viel Lebenswissen er dabei im Hintergrund hatte, was ihn seit der Kindheit geprägt hat, das er sich aber auch durch intensive Lektüre der Mythen, Sagen, weltlicher Literatur und dann vor allem aber der Bibel aneignete; - wie ein großer Schwamm, der viel in sich aufsog, aber auch gern und reichlich davon wieder hergab. Zahllose Ausstellungen und Kunstpreise zeugen davon. In den 70er und 80er Jahren galt er vor allem in Italien als vielleicht der bedeutendste lebende Künstler.

An der Wirklichkeit des Lebens sah er aber nicht vorbei: Seiner Ehefrau Regina, die zuerst seine Stütze im künstlerischen Hintergrund war, pflegte er in ihrer Krankheit bis zu ihrem Tod im Jahr 2002, für die ebenfalls hier in der Krypta das Requiem gefeiert wurde. Seinen Beruf stellte er in dieser Zeit klar hinten an und wusste, wo er gefordert war.
Dass er seine Kunst nicht als Selbstzweck verstand, sehen wir hier in der christlichen Gemeinschaft von St. Benno aber noch in zweierlei anderer Hinsicht: Mit zahlreichen von ihm gestifteten Druckgraphiken seiner Werke und deren Verkauf leistete er einen nicht unerheblichen Teil zur Renovierung unseres Kindergartens und Hortes.
Und zum anderen war Pfr. Eder auch mit überraschenden Besuchen in seinem Atelier willkommen zusammen mit Gemeindemitgliedern oder Besuchern. Gerade modern eingestellten Menschen, Gottsuchern in der heutigen Zeit, vermochte er gerade durch seine Art etwas vom Geheimnis Christi aufzuschließen.
Unsere Pfarrei ist ihm für all dies sehr dankbar, auch ich persönlich möchte dies für mich sagen dürfen, dass ich dankbar bin für viele anregende Gespräche, für seine Einladungen, denen ich nach Italien nie folgen konnte und die Farben und Bilder im Evangeliar, aus dem ich jeden Sonntag die frohe Botschaft verkünde.
In diesem Sinne wird bei einem jeden von uns auf ganz eigene Art und Weise der Erinnerung Fritz Baumgartners größter Wunsch in Erfüllung gehen: dass seine Kunst weiterlebt.

"Es wird schon weitergehen - es muss ja weitergehen" - so sind mir seine Worte aus einigen Gesprächen in Erinnerung, zuletzt noch bei einem Telefongespräch einige Tage vor seinem Sterben. Wir verabredeten noch eine Führung in der Glasmanufaktur zu seinem letzten künstlerischen Werk: Motive über Heil und Erlösung auf Glasfenstern für die Salvatorkirche in Berlin.
Auf der Einladung zur offiziellen Ausstellungseröffnung heißt es: der Künstler ist anwesend.
Fritz Baumgartner ist nicht tot. Der Geist seines Schaffens lebt fort in all dem, was er uns zum Betrachten und Meditieren hinterlassen hat;
und er selbst hat Leben nach dem Tod, weil Christus, der Herr des Lebens ihn zu sich gerufen hat, er hat endgültiges Heil und Erlösung gefunden bei unserem Gott, dem Schöpfer und Vollender des Lebens. Amen.

"Grußwort von Pfr. F.X. Eder aus Jerusalem"

Liebe Trauergemeinde!
Aus der Stadt Jerusalem, in der Jesus seinen Tod erlebt und seine Kraft der Auferstehung geoffenbart hat, sende ich bewegte Pilgergrüße!
Trotz der Entfernung bin ich heute mit der Trauergemeinde verbunden. Wir nehmen Abschied von einem guten Freund und von einem Künstler, der viele Werke und Bilder aus der Bibel geschaffen hat.
Wie Mark Chagall, dessen leuchtende Fenster wir in Jerusalem bewundern, hat auch Fritz Baumgartner sich viel mit der Frohbotschaft der hl. Schrift beschäftigt und daraus bleibende Werke resultiert.
Das Evangeliar ist ein leuchtender Beweis dafür. Ich selber konnte als einstiger Pfarrer v. St. Benno in freundschaftl. Verbundenheit mit Fritz Baumgartner über 58 Expl. des gedruckten Evangeliars an viele Kunstliebhaber und Bibelkundige verkaufen.
So bleibt das Wirken und Schaffen meines guten Freundes über seinen Tod hinaus bestehen.

Euer Pfr. F.X. Eder.