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In
christlicher Trauer versammelte Schwestern und Brüder,
sehr geehrte Angehörige von Fritz Baumgartner,
"Paradies
und Neuschöpfung", so ist das großflächige
Gemälde überschrieben, welches Fritz Baumgartner
1984-85 für unseren Pfarrsaal schuf.
Wir haben in der Lesung aus dem Buch Genesis die letzten Verse
der Erschaffung allen Lebens gehört: Gott vollendet die
Schöpfung und ordnet alles in ein sinnvolles Gefüge
und Zueinander.
Doch auch der Mensch gehört in diese Schöpfung,
ist selbst Geschöpf und deshalb nicht Gott; er ist nicht
vollkommen und macht Fehler, wirbelt vieles Durcheinander,
was Gott eigentlich als gut ansah.
Gerade diese Ambivalenz ist es, die für mich aus vielen
Werken Fritz Baumgartners zu mir spricht.
Auf unserem Gemälde im Pfarrsaal stehen alle scheinbar
zufällig, doch friedlich zusammen: die Menschen, die
Bäume, der Walfisch im Meer und die Gestirne.
Dieser Schöpfung hat Gott ihren Ursprung verliehen, mit
einem Auftrag an den Menschen, sie verantwortlich zu gestalten.
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Fritz
Baumgartner in seinem Ateilier
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Doch
ins Zentrum aller dort dargestellten Geschichte hat Fritz Baumgartner
das Kreuz Jesu Christi gesetzt. Er breitet die Hände als Erlöser
aus, wie auch hier an unserem Altarbild hier in der Krypta. Gelingen
und Misslingen des Menschen ist aufgehoben und vollendet in Jesus
Christus.
Dass Gottes Schöpfung eben nicht Paradies ist, wissen wir zur
Genüge. Dass uns Gott aber trotzdem liebt, hat er uns dadurch
gezeigt, dass er sich selbst uns in Christus offenbarte, seine Liebe
und Nähe uns zeigte; wir sprechen von der Neuschöpfung
des Menschen, seit Jesus Christus uns eben diese ewige Liebe am
Kreuz zeigte und auch uns zur Auferstehung ruft.
Fritz Baumgartner hätte uns kein größeres Glaubensbekenntnis
seines eigenen Glaubens schenken können, wie er es in seiner
ganz besonderen künstlerischen Art vermochte.
Geboren wurde er am 14. April 1929 im österreichischen Aurolzmünster
und wuchs dort in einfachen Verhältnissen mit 2 Schwestern
und einem Bruder auf. Der Vater war Schlossermeister und neben dem
künstlerischen Geschick zeigte sich Fritz Baumgartner immer
auch dankbar dafür, dass die Eltern seinen Weg hin zur Kunst
unterstützt haben, was sicher nicht selbstverständlich
war. So konnte er von 1949 - 1955 an der Kunstakademie in München
studieren und lebte nach weiteren Studienjahren in Paris ab 1958
mit seiner Frau Regina hier in unserer Pfarrgemeinde St. Benno.
Aus seinem gesamten Kunstschaffen wird ersichtlich, wie viel Lebenswissen
er dabei im Hintergrund hatte, was ihn seit der Kindheit geprägt
hat, das er sich aber auch durch intensive Lektüre der Mythen,
Sagen, weltlicher Literatur und dann vor allem aber der Bibel aneignete;
- wie ein großer Schwamm, der viel in sich aufsog, aber auch
gern und reichlich davon wieder hergab. Zahllose Ausstellungen und
Kunstpreise zeugen davon. In den 70er und 80er Jahren galt er vor
allem in Italien als vielleicht der bedeutendste lebende Künstler.
An
der Wirklichkeit des Lebens sah er aber nicht vorbei: Seiner Ehefrau
Regina, die zuerst seine Stütze im künstlerischen Hintergrund
war, pflegte er in ihrer Krankheit bis zu ihrem Tod im Jahr 2002,
für die ebenfalls hier in der Krypta das Requiem gefeiert wurde.
Seinen Beruf stellte er in dieser Zeit klar hinten an und wusste,
wo er gefordert war.
Dass er seine Kunst nicht als Selbstzweck verstand, sehen wir hier
in der christlichen Gemeinschaft von St. Benno aber noch in zweierlei
anderer Hinsicht: Mit zahlreichen von ihm gestifteten Druckgraphiken
seiner Werke und deren Verkauf leistete er einen nicht unerheblichen
Teil zur Renovierung unseres Kindergartens und Hortes.
Und zum anderen war Pfr. Eder auch mit überraschenden Besuchen
in seinem Atelier willkommen zusammen mit Gemeindemitgliedern oder
Besuchern. Gerade modern eingestellten Menschen, Gottsuchern in
der heutigen Zeit, vermochte er gerade durch seine Art etwas vom
Geheimnis Christi aufzuschließen.
Unsere Pfarrei ist ihm für all dies sehr dankbar, auch ich
persönlich möchte dies für mich sagen dürfen,
dass ich dankbar bin für viele anregende Gespräche, für
seine Einladungen, denen ich nach Italien nie folgen konnte und
die Farben und Bilder im Evangeliar, aus dem ich jeden Sonntag die
frohe Botschaft verkünde.
In diesem Sinne wird bei einem jeden von uns auf ganz eigene Art
und Weise der Erinnerung Fritz Baumgartners größter Wunsch
in Erfüllung gehen: dass seine Kunst weiterlebt.
"Es
wird schon weitergehen - es muss ja weitergehen" - so sind
mir seine Worte aus einigen Gesprächen in Erinnerung, zuletzt
noch bei einem Telefongespräch einige Tage vor seinem Sterben.
Wir verabredeten noch eine Führung in der Glasmanufaktur zu
seinem letzten künstlerischen Werk: Motive über Heil und
Erlösung auf Glasfenstern für die Salvatorkirche in Berlin.
Auf der Einladung zur offiziellen Ausstellungseröffnung heißt
es: der Künstler ist anwesend.
Fritz Baumgartner ist nicht tot. Der Geist seines Schaffens lebt
fort in all dem, was er uns zum Betrachten und Meditieren hinterlassen
hat;
und er selbst hat Leben nach dem Tod, weil Christus, der Herr des
Lebens ihn zu sich gerufen hat, er hat endgültiges Heil und
Erlösung gefunden bei unserem Gott, dem Schöpfer und Vollender
des Lebens. Amen.
"Grußwort
von Pfr. F.X. Eder aus Jerusalem"
Liebe Trauergemeinde!
Aus der Stadt Jerusalem, in der Jesus seinen Tod erlebt und seine
Kraft der Auferstehung geoffenbart hat, sende ich bewegte Pilgergrüße!
Trotz der Entfernung bin ich heute mit der Trauergemeinde verbunden.
Wir nehmen Abschied von einem guten Freund und von einem Künstler,
der viele Werke und Bilder aus der Bibel geschaffen hat.
Wie Mark Chagall, dessen leuchtende Fenster wir in Jerusalem bewundern,
hat auch Fritz Baumgartner sich viel mit der Frohbotschaft der hl.
Schrift beschäftigt und daraus bleibende Werke resultiert.
Das Evangeliar ist ein leuchtender Beweis dafür. Ich selber
konnte als einstiger Pfarrer v. St. Benno in freundschaftl. Verbundenheit
mit Fritz Baumgartner über 58 Expl. des gedruckten Evangeliars
an viele Kunstliebhaber und Bibelkundige verkaufen.
So bleibt das Wirken und Schaffen meines guten Freundes über
seinen Tod hinaus bestehen.
Euer
Pfr. F.X. Eder.
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