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Stockdunkel
ist es auch noch, als in der Maxvorstadt, in der prächtigen
neo-romanischen St. Benno-Kirche, Wolfgang Sagmeister in die Menge
ruft: "Wer will noch eine Fahne für´s Rad?"
Ein paar wollen noch das gelb-weiße Stück Stoff, und
dann ist´s höchste Zeit. Sechs Uhr, die 65 Benno-Radler
müssen zur Messe raus. Sagmeister, 36, Mathematiklehrer von
Beruf und Katholik aus Berufung, hat die Tour organisiert, hat kürzlich
noch Karten aufgetrieben, als sie längst als "ausverkauft"
galten. Viele Kommunionkinder und Firmlinge sind aufgestanden und
mit ihren Eltern gekommen, ein paar sogar allein. Heinrich von Saint
George, Pfarrer in Ruhestand, wird die Velo-Gemeinde gleich segnen.
Zuvor erzählt er noch, dass er mit Josef Ratzinger einst im
Priesterseminar war, und später sein Student. Wie gut, dass
der ehemalige Kollege nun nicht mehr gar so streng sei: "Offensichtlich
zeigt er jetzt den eigentlichen Ratzinger, den Menschlichen, Nahbaren.
Dann
surren die Dynamos, knarzen die Ketten, flattern die Fahnen. Voran
eine ganz große: Sagmeister hat sie bei Ebay ersteigert, 8,50
€ das Stück. 380 Mitglieder aus der Pfarrei haben eine
Messe-Karte, die Meisten fahren mit der Bahn. Pfarrer Ludwig Sperrer
kann auch nicht radeln, er darf Hostien in Riem verteilen und muss
früher da sein. "Hopphopp" Klaus Bachhuber, Pfarrgemeinderatsvorsitzender,
treibt die Radler an. Es pressiert. Rote Ampeln? So heilig ist die
Straßenverkehrsordnung nun auch nicht. Halb sieben, über
der Isar färben sich die Wolken rosa. Und jetzt die befürchtete
Panne. Kein Wunder, bei 130 Reifen: Die 9-jährige Katharina
hat einen Plattfuß. Was tun? Flicken? Warten? Keine Zeit.
Das Mädchen fährt beim Papa weiter mit, auf dem Gepäckträger.
Hinterm Ostbahnhof, wo die letzten Nachtschwärmer aus den Diskos
kommen, nimmt die Gruppe Fahrt auf und wird größer und
größer. Die Fahne weist auch anderen Radl-Pilgern den
Weg. Bald fahren hundert, bald zweihundert im Pulk.
Schreck
und Begeisterung
Acht
Uhr, Ankunft an der Messe. Sagmeister verteilt 15 Ministrantengewänder.
Die fleißigsten Messdiener sagt er, kriegen bessere Plätze
als Belohnung. Mario, 16, ist einer von ihnen, Oberministrant. Er
öffnet noch mal schnell seinen Umhang. Darunter trägt
er ein schwarzes T-Shirt mit Benedikt drauf, in Farbe. Rosemarie
Bär, die Gemeindereferentin erzählt, dass sie letztes
Jahr erst mal "erschrocken" sei, als der strenge Glaubenshüter
Papst wurde. Aber nun ist sie begeistert, spätestens seit Samstag,
fasziniert von der Freude des Papstes bei seinem Heimatbesuch, "das
ist nicht gespielt", sagt Bär. "Es ist schön,
dass er unsere Sprache spricht".
Ein
halber Kilometer Fußmarsch noch, immer in Richtung der Gesänge.
Zwischenstop bei den Dixi-Klos, dann einchecken in Block S1. Die
Jugendlichen aus Haidhausen sind schon da, irgendwo in der Mitte,
die Benno-Radler stehen schräg hinter dem Altar. Gut ist die
Stimmung, und entspannt. Werner Schmiedl und seine Frau Monika von
St. Benno breiten eine Decke aus, holen ihre Vesper raus. Hier,
am Rand der Messe, wirkt alles wie ein gewaltiges Picknick, bis
der Papst ruft: "Vergelt´s Gott, dass ihr da seid."
Die Ebay-Fahne von St.-Benno flattert im Wind.
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